#poesie

Anstrengend und schwierig zu erschließen? Von wegen! Die Anthologie »#poesie« unternimmt etwas gegen den schlechten Ruf der Lyrik.

Die Anthologie, von Nora Gomringer und Martin Beyer herausgegeben, erschien im Frühjahr 2018 im Verlag Voland & Quist

Mit Texten von
Ernst Jandl, Thomas Bernhard, Peter Fox, Heinz Erhardt, Advanced Chemistry, Thomas Kunst, Rödelheim Hartreim Projekt, Thomas Brasch, Deichkind, Ilma Rakusa, Ulrike Almut Sandig, Ron Winkler, Bas Böttcher u. v. a.

Die Welt muss #poetisiert werden

Guten Tag, wie halten Sie es eigentlich mit der Lyrik? Der Lyrik von heute, der Lyrik von gestern? Anstrengend und schwierig zu erschließen? Oder offene Tür in eine Welt der sprachlichen Verdichtung von Erkenntnissen, Ideen und sinnlicher Eindrücke? Leben wir in einem Land der Gedichtaficionados oder der Lyrikmuffel? Wie sieht es in den Schulen aus? Wir haben öfter die Gelegenheit, mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern über die tatsächliche Relevanz von Lyrik im Unterricht zu sprechen. Häufig wird beklagt, dass das Bindeglied und das „Verständnisglied“ fehle zwischen zum Beispiel barocker Lyrik und der Lyrik der Jetztzeit. Wie könnte man etwa das Gedankengut, das in die Produktion barocker oder expressionistischer Lyrik eingegangen ist, in das Jetzt übersetzen? Viele Schülerinnen und Schüler können sich nicht vorstellen, dass ein Mensch des Barock, der Klassik, der Romantik … ähnlich oder gar Ähnliches gedacht und literarisch zum Ausdruck bringen wollte wie ein Mensch das heute macht.
Genau dieses Bindeglied möchte die Anthologie #poesie sein! Sie möchte Wortbrücken bauen, indem sie eine Auswahl von poetischen Gegenwartstexten präsentiert, die in assoziativer Verbindung stehen zu den großen Themen und Traditionen der Lyrikgeschichte seit Barock, Klassik bis hin zu den literarischen Strömungen der Moderne.
Dabei werden die Gedichte nicht nach Epochen oder Themen sortiert, das würde mit Beginn der Moderne und der Zerfaserung der Strömungen und Tendenzen kaum noch möglich sein. Vielmehr sind sie alphabetisch angeordnet – unter den Texten finden Sie Hashtags, die ein assoziatives Spiel eröffnen, mit welcher Epoche oder mit welchem Topos sich der Text in Verbindung bringen lässt. Diesen Spuren können Sie dann in Gedanken, in Wort und Bild nachgehen – unser Band ist mit wunderbaren Bildtafeln von Reimar Limmer ausgestattet, die bestimmte Epochen und große Themen wie Natur oder Sex/ Gender noch einmal veranschaulichen und Orientierung geben.
Darüberhinaus können sie mithilfe der Hashtags auch in den sozialen Medien die Verbindungslinien weiterverfolgen und sich in einer poetischen Com- munity bewegen. So können Sie etwa das Foto einer toten Maus unter dem Hashtag #mementomori posten und sehen, wie andere „User“ auf die Ver-
gänglichkeit des Lebens reagiert haben. Sie selbst, aber auch ganze Gruppen oder Schulklassen können sich so an unserem Spiel der Poesie beteiligen.
Bei der Auswahl haben wir einen weiten Textbegriff angelegt und uns eben- falls sehr assoziativ und intuitiv durch unsere Bücherberge gegraben. So sind neben wichtigen Stimmen der Gegenwartslyrik wie Doris Runge, Durs Grünbein oder Thomas Kunst auch Songs von Advanced Chemistry, Peter Fox und LaBrassBanda vertreten. Bekannte Slammer wie Bas Böttcher stehen neben modernen Klassikern wie Mascha Kaléko.
Vorbildideen dieses Experiments sind Erich Kästners Lyrische Hausapotheke und Hans-Magnus Enzensbergers Museum der modernen Poesie – die Lyrik, der kurze Text soll als Vademecum, als nützliches „Ding“ gegen die Schrecknisse der Welt, als Bereicherung des Geistes, als transportables Literaturgut ins Zentrum der Wahrnehmung rücken. Oder, um ein bekanntes Novalis-Zitat frech abzuwandeln: Die Welt muss #poetisiert werden.

Nora Gomringer und Martin Beyer

Die Anthologie

Voland & Quist | Klappenbroschur

128 Seiten | 20 Euro

Anstrengend und schwierig zu erschließen? Von wegen! Die Anthologie »#poesie« unternimmt etwas gegen den schlechten Ruf der Lyrik. Bachmannpreisträgerin Nora Gomringer und Autor Martin Beyer vereinen aufregende Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik in einem Band. Dazu gehören bekannte Dichter, Slammer, Songwriter und Rapper. Die poetischen Texte schlagen eine Brücke zur Geschichte der Lyrik und den Texten des Schulkanons. Die Lyrik soll als nützliches »Ding« gegen die Schrecknisse der Welt, als Bereicherung des Geistes, als »transportables« Literaturgut ins Zentrum der Wahrnehmung rücken. Vorbilder sind Erich Kästners »Lyrische Hausapotheke« und Enzensbergers »Museum der modernen Poesie«.

»Die neue Anthologie ›#poesie. Gedichte, Songs, Slamtexte‹ könnte aus Lyrikmuffeln Gedichtaficionados machen ...«

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